Neugestaltung und Sanierung des Ehrenmals kann starten

Die Neugestaltung und Sanierung des Ehrenmals am Fuße des Johannisbergs kann beginnen.

Auf Initiative der SPD Fraktion brachte die Kenia-Koalition den Antrag dafür bereits Ende letzten Jahres ein. Nach mehreren Beratungsläufen in Ausschüssen und im Ortsbeirat gaben nun die Koalitionäre mit ihren Stimmen im Stadtparlament das Startzeichen für die Ausgestaltung. Mit dem gefassten Beschluss sind nunmehr die geplanten Mittel für die Sanierung frei gegeben.

So soll gemäß Koa-Antrag das Ehrenmal sowie der direkt angrenzende Bereich im städtischen Eigentum im Zuge der Planung der baulichen Sanierung neu konzipiert werden. Ziel der Neukonzeption soll eine Neugestaltung zur Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Vertreibung sein. Informationstafeln zu Gräueln des Krieges und der Vertreibung, unter Angabe von QR-Codes zu thematisch verbundenen Inhalten sollen die Neugestaltung ergänzen.

„Hierbei ist uns wichtig, den Ortsbeirat und die AG Geschichte in die Planungen einzubeziehen.“ unterstreicht Fraktionsvorsitzender Sert die Bedeutung von Vorschlägen lokaler Akteure.

Besonders sensibel zu behandeln sei, so Sert weiter, die Erinnerung an diejenigen, die in den Kriegen getötet wurden. Die Resonanz auf Sozialen Medien zeige deutlich, dass Hinterbliebene, Nachkommen oder Verwandte hier befürchten, das Gedenken könne unter der Neugestaltung an Bedeutung verlieren oder zu einer Verunglimpfung der aufgeführten Namen. „Eine öffentliche Täter-Opfer-Diskussion ist nicht intentioniert.“ erläutert Sert. Auch wenn vor dem Benennen der unterschiedlichen Haltungen der Menschen damals und den Folgen für die Menschheit nicht gescheut werden dürfe.

Vielmehr gehe es der Koalition darum, neben der Historie des Gebäudes, interessierten Besuchern eine kritische Betrachtung des jeweils damaligen Zeitgeists sowie von Krieg und seinen Folgen anzubieten: „Neben des Gedenkens darf heutzutage eine Mahnung an nachfolgende Generationen nicht ausgespart werden.“. Eine Benennung und kritische Betrachtung von Krieg darf laut Beschluss nicht vernachlässigt werden, bestätigt Sert. Wünschenswert seien insbesondere jährlich stattfindende städtische Info-Veranstaltungen mit Schülergruppen.

Ebenso sei es wichtig zu verdeutlichen, „dass damals nicht alle Menschen gleich „Hurra“ gerufen haben.“. Deswegen soll nun auch an Bad Nauheimer, die in diesem Zusammenhang besonderen Widerstand leisteten, angemessen erinnert werden. »Darunter fallen sicherlich Sozialdemokraten wie Robert Wiedermann und Franz Metz.« Laut Sert traten beide unerschüttert und entschieden dem Nationalsozialismus im Dritten Reich entgegen, wofür sie unter anderem Gefängnis und Konzentrationslager hätten erleiden müssen. Metz erlag laut Sert den Strapazen nach einem Todesmarsch.

Nun seien der Magistrat und die Verwaltung gefordert, resümiert die Fraktion. Während die Ausschreibung für die Sanierung relativ zügig umgesetzt werden könnte, erwartet Sert weitere Abstimmungsrunden bezüglich der Neugestaltung. Die Auseinandersetzung mit dem Thema könne allerdings durchaus fruchtbar und im Sinne des Antrags sein, sofern sie mit der nötigen Sachlichkeit geführt werde. Dies werde bei dem emotional aufgeladenen Thema die nächste Herausforderung für alle Beteiligten sein.

„Vor ziemlich genau 100 Jahren begannen die Planungen für das Gebäude in einem kriegsverherrlichendem Duktus. Heute haben wir die einmalige Chance, dies zu revidieren und das Gebäude zu einem wirklichen und aufrichtigen Mahnmal gegen Krieg umzuwidmen.“, fasst Sert zusammen.