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Bad Nauheim, 15. November 2011
Aktion "Ihre Meinung ist uns wichtig"
Wieviel Haushaltsdebatte verträgt Kultur?
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Wieviel Kultur verträgt Bad Nauheims Kasse und wieviel Diskussion verträgt Bad Nauheims Kultur?
"Ein geschichtsträchtiger Hintergrund verpflichtet. So ist es kaum verwunderlich, dass in Bad Nauheim Kunst, Kultur und Bildung ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Ob in kulturellen Einrichtungen oder bei Veranstaltungen, "Kultur" ist überall präsent.(...) Theater, Konzerte, Vortragsreihen, Lesungen - Bad Nauheim bietet ein interessantes Spektrum an Möglichkeiten.", ist auf der städtischen Homepage zu lesen.
Das liest sich nicht nur wie ein Bekenntnis, sondern wie ein klares Leitbild: Ein geschichtsträchtiger Hintergrund verpflichtet! Umso erstaunlicher ist, dass der Bereich Kultur in politischen Diskussionen von Teilen der kurstädtischen Politik so behandelt wird, als sei sie etwas Überflüssiges, das die Stadt nur übermäßig Geld kostet.
Zugegeben, kulturelle Leistungen einer Stadt sind nicht verpflichtend, das heißt sie sind der Kommune nicht per Gesetz vorgeschrieben. Das städtische Angebot und ihre Fördermittel sind freiwillig. Genau durch diese Freiwilligkeit werden sie bedauerlicherweise immer wieder zur Puffermasse des städtischen Haushalts degradiert.
Doch eine Stadt wie Bad Nauheim, deren Erscheinungsbild schon suggeriert "in dieser Stadt wird Kultur groß geschrieben", darf ebenda Gäste, Touristen und auch Einwohner nicht enttäuschen. Das kulturelle Angebot darf meines Erachtens zwar in seiner Zusammensetzung angepasst, doch weder in Qualität oder Quantität unter dem strengen Rotstift der Hauptamtlichen oder der Gremien leiden. Zu fatal wären die langfristigen Auswirkungen auf das Image Bad Nauheims als angesehene und überregional anerkannte Kulturstadt der Region.
Bad Nauheim benötigt ein hochwertiges kulturelles Angebot. Das entspricht ihrer Historie und ihrem Image. Ohne das vielseitige und durchgängige Angebot würde Bad Nauheim verkümmern zu einer provinziellen Kleinstadt, die sich nüchtern und blass am Stadtalltag abarbeitet. Ihre Anziehungskraft auf Gäste, Touristen und Menschen, die mit Zuzug liebäugeln, würde verloren gehen.
Kultur ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt. Darin steckt Fantasie und eine immense persönliche Kraft. Das "Geschaffene" ist ein Teil des Kulturschaffenden selbst. Somit wird jedes Abwerten des Werkes auch zur Abwertung des Künstlers selbst. Kritik am Werk selbst kann deshalb zwar nahe gehen, doch ist es nicht gleich zu setzen mit abwertenden Wortbeiträgen mancher Kommunalpolitiker. Diese beziehen sich nämlich nicht auf das einzelne Werk, sondern auf die Kultur an sich und ihren "Wert" für die Gemeinschaft.
Der politische Prozess, die Entscheidung über die Allokation von Ressourcen zu treffen, ist geprägt durch unterschiedliche Prioritäten - das entspricht der Natur des Mehrparteiensystems. Die Debatte und die Diskussion ist das Salz in der politischen Suppe. Kein kulturelles Angebot, keine literarische Reihe, kein Verein und kein Künstler hat finanzielle Zuwendungen der Stadt gepachtet. Selbstverständlich kann und sollte die Verteilung knapper Mittel auch diskutiert werden dürfen. Aber doch bitte mit dem gebührenden Respekt.
Ansonsten führt nicht nur der Rotstift der Gremien, sondern schon allein die despektierliche Haltung einiger politisch Aktiver zu Verdruss und einem Absinken des kulturellen Angebots. Die Kulturszene Bad Nauheims ist geprägt besonders durch Eigeninitiative Privater und ehrenamtliches Engagement aus der Bürgerschaft, wie zum Beispiel der Verein "kunstvoll" oder das "Theater Alte Feuerwache". Und das ist für eine Stadt ein besonderes Gut, ein besonderes Kapital, das mit Geld nicht zu beziffern ist. Es verdient die entsprechend umsichtige und dankbare Haltung der Stadtpolitik.
Die Stadtpolitik darf deswegen das ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger im kulturellen Bereich nicht einfach nur in Relation zu den eigenen finanziellen Zuwendungen setzen. Sie muss ebenso die positiven Effekte des Engagements für die Stadt und auf ihre Kasse abschätzen können und sie in den Debatten berücksichtigen. Zudem sollte eine Stadt bestrebt sein, gerade diesem Engagement Möglichkeiten zu eröffnen oder wenigstens zu erhalten.






